Geschichten & Hörensagen

STATION von »Klausenweg«

Die Orte der Stadt haben vieles zu berichten.

Nicht immer werden diese Geschichten in Archiven festgehalten. Oft sind es Erzählungen, die von einem zum nächsten weiter getragen werden. Manche sind ernst, andere witzig und manchmal sind es Gedichte oder verblassende Bilder.

Boogie Woogie im Garten der Vielfalt

Sonntags streichelt die Initiative meist den Garten – dem Tag, an dem die Bar geschlossen ist. Ich stand 2017 an diesem heißen Sommertag mit dem Gartenschlauch an der schräg vergitterten Eingangstür und war gerade bei »Ruthje«, der holländischen Tomatensorte angekommen, als eine rüstige kleine Dame interessiert und ein wenig Wehmütig durch die Gitter blickte. Auf meine Frage, ob sie nicht hereinkommen wolle, etwas trinken, sich setzen oder sich ein wenig umschauen – so wie es viele Passanten gerne tun – verneinte sie, hielt aber inne und wir schauten uns an. Nach einem Moment sagte sie: »Wissen Sie, ich war hier schon als kleines Mädchen. Da drüben (Anmerkung: auf der Fläche des Parks auf der die Skulptur von Helmut Brinkmann steht), da war im und noch nach dem Krieg ein Löschteich, in dem wir Kinder immer gebadet haben.« Noch immer leicht gebückt fuhr sie fort: »… und hier im Tempelgebäude gab es ein Restaurant. Die hatten dort, ja da, wo die Holzkisten gestapelt stehen (Anmerkung: der Tauschtower der Initiative), stand ein schwarzes Piano auf dem immer »Boogie Woogie« gespielt wurde.« Ich fragte: »Das Klavier stand im Freien?« »Ja«, bekam ich zur Antwort und »Ich habe davon noch Bilder in meiner Wohnung, ich müßte sie einmal heraussuchen…«.

von Dieter Krellmann

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